Wir flogen auf direktem Weg ins Universitätskrankenhaus Carl-Gustav-Carus nach Dresden. Ich saß neben meinem Sohn und konnte gar nicht richtig hinsehen. Da lag er auf der Liege, angeschlossen an Geräte für Sauerstoffüberwachung und Herzschlag. Die Anzeigen wurden immer niedriger. Als wir auf dem Haus gelandet sind, wurde er in den Fahrstuhl gefahren und wir fuhren in den Keller. Aus dem Fahrstuhl heraus ging es in Windeseile - so schnell, dass ich kaum hinterherkam - in den Schockraum. Dort wurde ich von einer Schwester abgefangen und in "Sicherheit" gebracht. Ich wurde von dieser Krankenschwester fast die ganze Zeit betreut. Jedoch als der Arzt kam, um mir zu sagen, dass Dominik jetzt eine halbe Stunde reanimiert wurde, jetzt stabil ist und ein CT gemacht wird, war niemand bei mir.
Später kam noch ein anderer Arzt (der sagte mir was von 45 min Reanimation), um mir zu sagen, dass Dominik jetzt in den OP gefahren wird.
Da wurde ich in ein Nebengebäude in die Kinderklinik gebracht. Dort bekam ich ein Zimmer. Die Schwester dort gab mir einige angeschrumpelte Äpfel, gab mir die Fernbedienung des Fernsehers und verschwand.
Da saß ich nun. Allein, ohne Informationen, ohne meinen Mann, und weit weg von meinem Sohn!
Die Zeit verging und verging nicht, langsam wurde ich ungeduldig! Ich ging den Gang hin und her, und hoffte auf Nachricht. Mir war furchtbar zumute. Ich fragte eine Schwester nach Informationen, aber die hatte keine.
Endlich, nach 2 Stunden kam mein Mann. Aber der war genauso hilflos. Es war so still, dass man alle möglichen Geräusche hörte - Herztöne von Überwachungsanlagen etc.
Gegen 1 Uhr wurden wir gebeten, ins Hauptgebäude zu kommen. Die OP sei beendet und der Arzt wolle mit uns sprechen.
So gingen wir nach unten, aber weil alles finster war, hatten wir uns glatt noch verlaufen. Eine Schwester zeigte uns dann den Weg.
Der Arzt erklärte uns Dominiks Verletzungen: Milz zertrümmert, Niere gerissen, eine Hauptschlagader gerissen und das linke Bein unterhalb des Knies komplett gebrochen.
Die Ärzte hofften, alle Verletzungen gefunden zu haben. Jedoch konnte man uns nicht versichern, dass Dominik überlebt. Auf Grund des hohen Blutverlustes wurden so viele Blutkonserven gegeben, dass er kein Eigenblut mehr hatte.
Fortsetzung folgt...wenn ich die Kraft dazu habe